28.08.2017 / Farbholzschnitte von Henrique Lemes ab 03. Sep. 2017


in der Städtischen Galerie im KÖNIGIN-CHRISTINEN-HAUS in Zeven

Bem te vi - Gut, dich zu sehen


Der brasilianische Grafiker und Holzschneider Henrique Lemes lebt und arbeitet seit 1993 in Bremen.

In Zevens Städtischer Galerie im Königin-Christinen-Haus zeigt er seine farbenfrohen, teilweise großformatigen Holzschnitte.
Poetisch-fantasievoll erzählen sie von Alltag, Leben und Arbeit des Menschen.

Zu der Eröffnung am Sonntag, den 3. September ab 14.30 Uhr ist jedermann herzlich willkommen.

Um 15 Uhr gibt der Künstler selbst eine Einführung in sein Werk, musikalisch begleitet von dem jungen Bremer Pianisten Christian Kassens.



„Bem te vi“, der Ausstellungstitel, bedeutet so viel wie „Gut, dich zu sehen“ und könnte sowohl auf den Betrachter als auf Lemes Kunst bezogen werden. Gleichzeitig ist es der Name für einen kleinen Sperlingsvogel, der zu den wohl populärsten Singvögeln Brasiliens gehört. Sein charakteristischer Ruf „bem-te-vi“ verhalf ihm zu seinem Namen. In Lemes Bildern taucht er immer wieder auf. Mal sitzt er einem Mann auf dem Rücken, dann auf dem Rand vom Kaffeetisch, oder wie beim beigefügtem Bild, bei einer Frau auf der Wäscheleine.
Henrique Lemes wurde 1960 in Uberlandia in Brasilien geboren und ging 1981 nach Rio de Janeiro, wo er den großen klassischen Holzschneider Ciro Fernandes kennen lernte. Als er seine Arbeiten sieht, weiß er, er will Holzschneider werden. Noch heute benutzt er zum Handabzug seiner Bilder den abgeschliffenen Rundholzgriff, den er damals von seinem Meister geschenkt bekam. Durch eine Einladung für eine Ausstellung kommt Lemes 1993 nach Deutschland und wird als freischaffender Künstler in Bremen im quirligen multikulturellen Ostertor-Viertel heimisch. Eine kleine Altbauwohnung mit Balkon ist Wohnung, Atelier und Druckwerkstatt gleichzeitig. Hier entwickelt er seine ganz eigene Technik und Stil. Einflüsse aus Europa und Südamerika vermischen sich, seine Kunst wird „international“, frei und selbständig. Eine kräftig leuchtende Farbigkeit könnte als Reminiszenz an seine alte Heimat angesehen werden. Themen sind Menschen, Tiere und Alltägliches wie Beziehungen, Kaffeetrinken oder Fußball. Dabei entdecken wir auch mal typisch Brasilianisches wie „Frau mit Papagei“. Das gleiche könnte für das Thema Fußball gelten – hier war allerdings „Werder Bremen“ eigentliche Quelle der Inspiration. Ähnlich verhält es sich mit dem wichtigen brasilianischen Thema „Kaffee“, welches der Künstler liebt, aber ebenso eine bedeutende Rolle für die alte Hansestadt Bremen spielt. Kaffee und Kaffeetrinken sind Thema vieler Farbholzschnitte. Da wundert es nicht, das Lemes einige Auftragsarbeiten für hiesige Kaffee- und Handelsfirmen übernehmen konnte und auch eine Kaffeedose durch ihn künstlerisch gestaltet wurde. Lemes, der ebenfalls als Illustrator arbeitet, hat seine Bilder in vielen Ausstellungen in Brasilien, Deutschland, Frankreich und Belgien gezeigt. Seine Grafiken befinden sich in Museen und bei Sammlern in aller Welt.
Henrique Lemes Arbeitstechnik ist einzigartig. Alle Bilder entstehen nach einem aufwendigen Druckverfahren von Hand, durch Reibung auf der Rückseite des Papiers. Dabei wird zuerst der Hintergrund in einem tiefen, dunklem Blau (kein Schwarz) gedruckt. Nach dem Trocknen werden hierauf mit der geschnitzten Linienplatte alle weiteren Farben nass in nass übereinander gedruckt. Die dunklen zuerst, die hellen zum Schluss. Bis zu 12 Farbtöne und mehr können das sein. Diese dicken Farbschichten ergeben die glatt glänzende Oberfläche mit einer reliefartigen und gleichzeitig fast malerischen Wirkung. Genaugenommen entstehen auf diese Art auch bei seinen kleinen Auflagen nur Einzelstücke.
Die Ausstellung im Königin-Christinen-Haus wird am Sonntag, den 3. September ab 14.30 Uhr eröffnet. Um 15 Uhr wird der Künstler Henrique Lemes selbst die einführenden Worte sprechen. Musikalisch begleitet wird die Ausstellungseröffnung von Christian Kassens, Pianist aus Bremen. Jedermann ist herzlich willkommen. Wie immer ist der Eintritt frei.
Die Herbstausstellung bleibt bis 26. November 2017, sonntags und donnerstags von 14.30 bis 17.30 Uhr in der Städtischen Galerie im Königin-Christinen-Haus, Lindenstraße 11 in Zeven zu sehen. Gruppen, Schulklassen und Führungen sind ebenfalls nach Vereinbarung möglich: Tel. 04281 / 999800.
Jan Jaap Roosing


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